IV. Mensch vs. PERSON: Die juristische Unterscheidung
Die Wortdefinition
Das Wort
„Person“ stammt vom lateinischen
„persona“ – ursprünglich die Maske, die Schauspieler im antiken Theater trugen.(115) Die Maske repräsentierte eine Rolle, nicht den Schauspieler selbst.
Duden (aktuelle Ausgabe):Person, die; -, -en- Einzelner Mensch
- (Rechtssprache) Träger von Rechten und Pflichten(116)
Grimmsches Wörterbuch (historisch):„Person […] im allgemeinen: der Mensch als denkendes, fühlendes und wollendes Wesen. Im besondern: die Maske, durch welche die Stimme der Schauspieler tönte.“(117)
Schon hier zeigt sich: „Person“ ist nicht identisch mit „Mensch“. Es ist eine
Rolle, eine
juristische Konstruktion.
Die rechtliche Definition: BGB 1900
Das
Bürgerliche Gesetzbuch (BGB), das am 1. Januar 1900 in Kraft trat, unterscheidet klar:(118)
§ 1 BGB: „Die Rechtsfähigkeit des
Menschen beginnt mit der Vollendung der Geburt.“(119)
§ 21 BGB: „Vereine, zu deren wesentlichen Geschäftsbetrieb ein wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb gehört, erlangen Rechtsfähigkeit durch
Eintragung in das Vereinsregister […].“(120) Das BGB kennt zwei Arten von Personen:
- Natürliche Person: Der Mensch (§ 1 BGB)
- Juristische Person: Vereine, Gesellschaften, Stiftungen (§§ 21 ff. BGB)(121)
Der entscheidende Unterschied:
| Mensch | Juristische Person |
|---|
| Existenz | Durch Geburt | Durch Eintragung/Gesetz |
| Rechtsfähigkeit | Ab Geburt | Ab Registrierung |
| Sterben | Biologisch | Durch Löschung |
| Eigentum | Kann besitzen | Ist Eigentum (Anteile) |
Eine
juristische Person (z.B. eine GmbH) kann gegründet, verkauft, aufgelöst werden. Sie ist eine
Fiktion – ein Konstrukt des Rechts.(122)
Quellen
- (115) Kelsen, Hans: Reine Rechtslehre, Wien 1934, S. 45–52 (positives Recht).
- (116) Handelsrecht: Berman, Harold J.: Law and Revolution, Harvard 1983, S. 333–356 (lex mercatoria).
- (117) Handelsgerichte: Sacchi, Paolo: „The Italian Courts“, in: Merchants and the Law, Oxford 2001, S. 234–239.
- (118) Privilegium fori: Brundage, James A.: Medieval Canon Law, London 1995, S. 156–162.
- (119) StPO § 53 Abs. 1 Nr. 1.
Online: https://www.gesetze-im-internet.de/stpo/__53.html
- (120) BVerfG, Urteil vom 25.03.2014, 2 BvR 661/12 (kirchliches Arbeitsrecht verfassungsgemäß).
Online: https://www.bundesverfassungsgericht.de/
- (121) GG Art. 140 i.V.m. WRV Art. 137.
Online: https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_140.html
- (122) Kirchliches Arbeitsrecht: Richardi, Reinhard: Arbeitsrecht in der Kirche, München 2015, S. 67–89.