Der Petrodollar-Krieg: Warum es in Venezuela wirklich nicht um Demokratie

Die Schlagzeilen überschlagen sich: US-Truppen in Venezuela, die Festnahme von Maduro und der Vorwurf des Drogenhandels. Doch blickt man hinter die Kulissen der Geopolitik, zeigt sich ein bekanntes Muster. Geht es wirklich um die Befreiung eines Volkes, oder geht es um das Überleben der US-Währung? Eine Analyse über Öl, Macht und den sterbenden Petrodollar.
Seit Jahrzehnten folgt die US-Außenpolitik in rohstoffreichen Ländern einem ähnlichen Schema. Was oberflächlich als Kampf für Demokratie oder gegen den Terrorismus deklariert wird, entpuppt sich bei näherer Betrachtung oft als Verteidigung des US-Finanzsystems. Der Fall Venezuela ist hierbei das jüngste und massivste Beispiel.

Das Erbe von 1974: Das Petrodollar-System

Um die aktuelle Invasion zu verstehen, muss man ins Jahr 1974 zurückgehen. Henry Kissinger schloss damals einen historischen Deal mit Saudi-Arabien: Die USA garantieren militärischen Schutz, im Gegenzug verpflichtet sich das Königreich (und später die gesamte OPEC), Öl ausschließlich in US-Dollar zu fakturieren. Dies schuf eine künstliche, weltweite Nachfrage nach dem Greenback. Jede Nation, die Energie benötigt, muss Dollar halten. Dies erlaubt es den USA, Defizite zu finanzieren und Geld in einem Maße zu drucken, das keinem anderen Land möglich wäre. Der Dollar ist das Fundament der amerikanischen Vorherrschaft – wichtiger als jeder Flugzeugträger.

Venezuela: Die größte Bedrohung für den Dollar?

Venezuela sitzt auf den größten nachgewiesenen Ölreserven der Welt – ca. 303 Milliarden Barrel. Das ist mehr als Saudi-Arabien besitzt. Doch unter Maduro begann das Land, das Undenkbare zu tun:
  • Abkehr vom Dollar: Seit 2018 akzeptiert Venezuela Yuan, Euro und Rubel für Ölgeschäfte.
  • BRICS-Ambitionen: Das Land beantragte den Beitritt zum BRICS-Bündnis, um sich in ein alternatives Finanzsystem zu integrieren.
  • Umgehung von SWIFT: Gemeinsam mit China wurden Zahlungskanäle aufgebaut, die sich der US-Kontrolle entziehen.
Damit wurde Venezuela zum Vorreiter der „Entdollarisierung“. Ein Erfolg Venezuelas hätte Signalwirkung für den gesamten globalen Süden gehabt. Das Muster der Geschichte: Irak, Libyen, Venezuela

Die Geschichte zeigt, dass Versuche, den Petrodollar zu stürzen, oft fatal enden:

  • Irak (2000-2003): Saddam Hussein kündigte an, Öl in Euro zu verkaufen. 2003 folgte die Invasion. Die Massenvernichtungswaffen wurden nie gefunden, aber das Öl wird seitdem wieder in Dollar gehandelt.
  • Libyen (2009-2011): Muammar al-Gaddafi plante den „Gold-Dinar“ als panafrikanische Währung für den Ölhandel. Durchgesickerte Clinton-E-Mails bestätigen heute, dass dies ein Hauptgrund für die NATO-Intervention war.
  • Venezuela (2026): Mit fünfmal mehr Öl als der Irak und Libyen zusammen stellt Venezuela die bisher größte Herausforderung für das System dar.

„Unser Öl“: Die Rhetorik der Besatzer

Interessanterweise wird die wirtschaftliche Motivation kaum noch kaschiert. Stephen Miller, Berater für innere Sicherheit, bezeichnete die Verstaatlichung der venezolanischen Ölindustrie jüngst als „Diebstahl von amerikanischem Reichtum“. Die Logik dahinter: Weil US-Firmen die Quellen vor 100 Jahren erschlossen haben, gehöre das Öl rechtmäßig Amerika.

Fazit: Das Ende einer Ära?

Die Invasion Venezuelas wirkt wie ein letztes Aufbäumen. Während die USA militärisch intervenieren, formiert sich der Rest der Welt neu. Russland handelt in Rubel, China baut mit mBridge und CIPS Alternativen zum Dollar auf, und die BRICS-Staaten repräsentieren mittlerweile einen gewaltigen Teil des globalen BIP. Wenn eine Währung nur noch durch Bomben und Regimewechsel aufrechterhalten werden kann, ist ihr moralisches und ökonomisches Fundament bereits erodiert. Venezuela könnte nicht der Anfang einer neuen Dominanz sein, sondern das verzweifelte Ende des Petrodollar-Zeitalters.

Quellen und Referenzen

  Credits: Dieser Artikel basiert auf den Thesen und Ausführungen von Jan Leendert und Lona Cseh.

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