1.4.4: DAS ENDE (1918) – Deutschland kollabiert

A) Die Frühjahrsoffensive 1918 – Letzte Hoffnung

3. März 1918: Frieden von Brest-Litowsk (Russland aus dem Krieg).(555) Deutschland kann 1 Million Soldaten nach Westen verlegen. 21. März 1918: Operation Michael – letzte deutsche Großoffensive.(556) Anfangs erfolgreich:
  • Deutsche Truppen durchbrechen Front
  • Kommen bis 120 km vor Paris (näher als 1914)
  • Nehmen 90.000 Gefangene, 1.300 Kanonen(557)
ABER: Keine Reserven mehr:
  • Soldaten ausgezehrt (Hunger, Erschöpfung)
  • Material fehlt (Munition, Waffen)
  • USA bringt frische Truppen (2 Millionen Soldaten bis November 1918)(558)
8. August 1918: „Schwarzer Tag der deutschen Armee“ (Ludendorff).(559) Alliierte Gegenoffensive (mit Panzern, Flugzeugen):
  • Durchbrechen deutsche Linien
  • 27.000 deutsche Gefangene an einem Tag
  • Deutsche Armee bricht zusammen(560)

B) Die Heimatfront – Hunger, Revolution, Zusammenbruch

Herbst 1918: Deutschland am Ende: Wirtschaft:
  • Inflation (1914: 1$ = 4,2 Mark → 1918: 1$ = 7,5 Mark)(561)
  • Industrieproduktion 43% unter Vorkriegsniveau(562)
  • Kohleförderung -30%, Stahlproduktion -50%(563)
Bevölkerung:
  • 800.000 verhungert (Blockade)
  • Spanische Grippe wütete (300.000 Tote in Deutschland, 1918–1920)(564)
  • Steckrübenwinter 1916/17: Trauma saß tief
Soldaten:
  • Kriegsmüde, Desertionen steigen (18.000 Deserteure 1918)(565)
  • Moral zusammengebrochen
29. Oktober 1918: Kieler Matrosenaufstand (Matrosen weigern sich, zu letzter Schlacht auszulaufen).(566) Revolution breitet sich aus:
    1. November: Kiel, Hamburg, Lübeck (Arbeiter- und Soldatenräte)
    1. November: München (Kurt Eisner ruft Freistaat Bayern aus)(567)
    1. November: Berlin (Generalstreik, Massenproteste)
9. November 1918, 14 Uhr: Kaiser Wilhelm II. dankt ab (flieht nach Holland).(568) 9. November, 15 Uhr: Phillip Scheidemann (SPD) ruft von Reichstag-Balkon Republik aus:
„Das deutsche Volk hat auf der ganzen Linie gesiegt!“(569)
Das war gelogen. Deutschland hatte verloren.

C) Der Waffenstillstand (11. November 1918)

11. November 1918, 5 Uhr morgens: Waffenstillstand unterzeichnet (Compiègne, Frankreich, Eisenbahnwaggon).(570) Deutsche Delegation:
  • Matthias Erzberger (Zentrumspartei, Zivilist)
  • Keine Militärs (Ludendorff/Hindenburg schickten Zivilisten → „Dolchstoßlegende“ vorbereitet)
Bedingungen (44 Artikel): Militärisch:
  • Sofortige Einstellung der Kämpfe (11 Uhr)
  • Räumung besetzter Gebiete (Belgien, Frankreich, Elsass-Lothringen) innerhalb 14 Tage
  • Räumung linkes Rheinufer + 3 Brückenköpfe (Köln, Koblenz, Mainz) innerhalb 31 Tage
  • Abgabe Waffen:
    • 5.000 Kanonen
    • 25.000 Maschinengewehre
    • 3.000 Minenwerfer
    • 1.700 Flugzeuge
    • 5.000 Lokomotiven, 150.000 Eisenbahnwagen (für Reparationen)
    • Gesamte Hochseeflotte (interniert in Scapa Flow, Schottland)(571)
Wirtschaftlich:
  • Seeblockade bleibt bestehen (bis Juni 1919!)
  • Deutschland muss Reparationen zahlen (Höhe noch offen)
Deutschland war wehrlos. Matthias Erzberger (nach Unterzeichnung):
„Ein Volk von 70 Millionen leidet, aber es stirbt nicht.“(572)
Er hatte Unrecht. 400.000 starben noch (Blockade bis Juni 1919).

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