VII. DER AUFSTIEG HITLERS (1930-1933) – Verzweiflung wählt Extreme
A) Die NSDAP – Von Splitterpartei zur Massenpartei
Reichstagswahlen – NSDAP-Ergebnisse:| Wahl | NSDAP-Stimmen | % | Sitze | Kontext |
|---|
| Mai 1924 | 1,9 Mio. | 6,5% | 32 | (Hitler im Gefängnis nach Putsch 1923) |
| Dez 1924 | 0,9 Mio. | 3,0% | 14 | (Wirtschaft stabilisiert, Hitler irrelevant) |
| Mai 1928 | 0,8 Mio. | 2,6% | 12 | („Goldene Zwanziger“, NSDAP Splitterpartei) |
| Sep 1930 | 6,4 Mio. | 18,3% | 107 | (Weltwirtschaftskrise begonnen, 3 Mio. Arbeitslose) |
| Juli 1932 | 13,7 Mio. | 37,3% | 230 | (6 Mio. Arbeitslose, Verzweiflung) |
| Nov 1932 | 11,7 Mio. | 33,1% | 196 | (Leichter Rückgang) |
| März 1933 | 17,3 Mio. | 43,9% | 288 | (Hitler Reichskanzler seit 30. Jan, Terror) |
(794)
Das Muster: Wirtschaft gut (1924-1929) → NSDAP irrelevant (3%). Wirtschaft kollabiert (1930-1932) → NSDAP explodiert (37%). Das war NICHT „böse Deutsche“ – das war VERZWEIFLUNG.
B) Hitler’s Botschaft – Versailles abschaffen, Arbeit schaffen
Hitler’s Wahlkampf (1930-1932): 1. Versailles abschaffen:„Versailles ist Sklaverei. Reparationen sind Raub. Wir werden Versailles zerreißen.“(795)
2. Arbeit schaffen:„6 Millionen Arbeitslose. Brüning spart. Ich schaffe Arbeit – durch Autobahnen, Rüstung, Infrastruktur.“(796)
3. Ordnung herstellen:„Kommunisten randalieren. SPD ist schwach. Ich bringe Ordnung – mit SA.“(797)
4. Deutschland stark machen:„Wir waren stark (1914). Versailles machte uns schwach. Ich mache Deutschland wieder stark.„(798)
Das war effektiv – weil teilweise wahr:- Versailles war Demütigung (800.000 verhungert, 132 Mrd. Goldmark, Zwangsarbeiter)
- Arbeitslosigkeit war real (6 Millionen)
- Weimar war schwach (12 Regierungen in 14 Jahren)
ABER: Hitler log bei Lösung:
- „Arbeit schaffen“ = Rüstung (führte zu WW2)
- „Ordnung“ = Diktatur (führte zu Holocaust)
C) Die Unterstützung – Großindustrie finanzierte Hitler
NSDAP brauchte Geld (Wahlkampf, SA bezahlen, Propaganda).
Woher kam es? Deutsche Großindustrie: Fritz Thyssen (Stahlbaron):- Finanzierte NSDAP ab 1923 (100.000 Goldmark Spende)(799)
- Grund: Angst vor Kommunisten (KPD wollte Industrie enteignen), Hitler versprach „Ordnung“
Emil Kirdorf (Kohlebaron):- Finanzierte NSDAP (500.000 Mark, 1927)(800)
I.G. Farben (Chemiekonzern):- Finanzierte NSDAP ab 1930 (400.000 Mark/Jahr)(801)
- Grund: Hitler versprach Aufrüstung (Chemie profitiert)
Deutsche Bank, Dresdner Bank:- Gaben NSDAP Kredite (ab 1931)(802)
US-Konzerne (indirekt): Antony Sutton („Wall Street and the Rise of Hitler“, 1976):„US-Konzerne (Ford, GM, Standard Oil) finanzierten Hitler – indirekt (über deutsche Tochtergesellschaften). Ford-Deutschland spendete an NSDAP.“(803)
Henry Ford:- Bekannter Antisemit (schrieb The International Jew, 1920)(804)
- Ford-Deutschland finanzierte NSDAP (keine direkte Primärquelle, aber Sutton dokumentiert Verbindungen)(805)
Bewertung:- 90% Fakt: Deutsche Großindustrie finanzierte Hitler (Thyssen, Kirdorf, I.G. Farben dokumentiert)
- 70% wahrscheinlich: US-Konzerne finanzierten indirekt (Sutton zeigt Verbindungen, ABER keine „smoking gun“)
Cui bono?- Industrie wollte Ordnung (keine Kommunisten)
- Hitler bot Ordnung + Aufrüstung (Profit für Industrie)
- Win-Win (bis Hitler außer Kontrolle geriet)
D) 30. Januar 1933 – Hitler wird Reichskanzler
30. Januar 1933: Reichspräsident Paul von Hindenburg ernennt Adolf Hitler zum
Reichskanzler.(806)
Warum? Nicht weil Hitler Mehrheit hatte (hatte er nicht: 33% November 1932).
Sondern: Weil konservative Elite (Hindenburg, Franz von Papen, Alfred Hugenberg)
glaubten, Hitler kontrollieren zu können.(807)
Franz von Papen (Vizekanzler):„Wir haben Hitler engagiert. In zwei Monaten haben wir ihn in die Ecke gedrückt, dass er quietscht.“(808)
Er hatte sich getäuscht. 27. Februar 1933: Reichstagsbrand. Hitler nutzt Art. 48 (Notverordnungsrecht), hebt Grundrechte auf.(809)
23. März 1933: Ermächtigungsgesetz (Reichstag gibt Hitler Diktaturrechte).(810)
Weimar war tot.