1.4.1: DER WEG IN DEN KRIEG: Die Julikrise 1914

A) Das Attentat von Sarajevo (28. Juni 1914)

28. Juni 1914, 10:45 Uhr: Sarajevo, Bosnien (damals Teil Österreich-Ungarns). Opfer:
  • Erzherzog Franz Ferdinand (Thronfolger Österreich-Ungarns, 50 Jahre)
  • Sophie, Herzogin von Hohenberg (seine Ehefrau, 46 Jahre)
Täter: Gavrilo Princip (19 Jahre, bosnischer Serbe, Mitglied „Schwarze Hand“)(423) Hintergrund:
  • Bosnien 1908 von Österreich-Ungarn annektiert (zuvor osmanisch)(424)
  • Viele bosnische Serben wollten zu Serbien gehören
  • „Schwarze Hand“ (serbische Geheimorganisation): Ziel = Großserbien (alle Südslawen vereinen)(425)
Das Attentat war der Funke – aber nicht die Ursache.

B) Die Julikrise: 37 Tage bis zum Weltkrieg

5. Juli: Wilhelm II. gibt Österreich „Blankoscheck“ (volle Unterstützung, egal was Österreich tut).(426) 23. Juli: Österreich stellt Serbien Ultimatum (10 Punkte, 48 Stunden Frist):
  • Serbien muss anti-österreichische Propaganda verbieten
  • Österreichische Beamte dürfen in Serbien ermitteln (Punkt 6 – Souveränitätsverletzung!)(427)
25. Juli: Serbien akzeptiert 9 von 10 Punkten (lehnt nur Punkt 6 ab: österreichische Polizei in Serbien).(428) Österreich lehnt ab (wollte Krieg, suchte Vorwand). 28. Juli: Österreich-Ungarn erklärt Serbien den Krieg.(429) Jetzt eskaliert es: 30. Juli: Russland mobilisiert (als „Schutzmacht der Slawen“, will Serbien helfen).(430) 1. August: Deutschland erklärt Russland den Krieg (Bündnis mit Österreich, Schlieffen-Plan läuft an).(431) 3. August: Deutschland erklärt Frankreich den Krieg (Frankreich = Verbündeter Russlands).(432) 4. August: Deutschland marschiert in Belgien ein (Schlieffen-Plan: Umgehung französischer Festungen).(433) 4. August (23 Uhr): England erklärt Deutschland den Krieg (Grund: Belgische Neutralität, garantiert seit Londoner Vertrag 1839).(434) Innerhalb von 10 Tagen: Lokalkonflikt (Österreich vs. Serbien) → Weltkrieg (Deutschland/Österreich vs. Russland/Frankreich/England).

C) Wer trug Schuld? Die drei Versionen

Version 1: Versailler Vertrag (1919) – Deutschland allein schuldig Art. 231 („Kriegsschuldklausel“):
„Die alliierten und assoziierten Regierungen erklären, und Deutschland erkennt an, daß Deutschland und seine Verbündeten als Urheber für alle Verluste und Schäden verantwortlich sind […]“(435)
Das wurde Grundlage für Reparationen. Version 2: Christopher Clark (2012) – „Schlafwandler“ Clark („The Sleepwalkers“):
„Keine Regierung wollte diesen Krieg. Alle trugen bei durch schlechte Entscheidungen, Missverständnisse, Bündnisautomatismen. Europa schlafwandelte in die Katastrophe.“(436)
Clark zeigt:
  • Österreich: Zu hartes Ultimatum
  • Russland: Zu schnelle Mobilmachung
  • Deutschland: Blankoscheck, Einmarsch Belgien
  • Frankreich: Wollte Elsass-Lothringen zurück (Revanche 1871)
  • England: Unklare Signale (Deutschland dachte, England bleibt neutral)
Fazit Clark: Kollektives Versagen. Version 3: Effenberger, Schulte, Knechtel – Der Krieg wurde gewollt Wolfgang Effenberger:
„Der Krieg war kein Zufall. England wollte Deutschland zerstören (wirtschaftliche Bedrohung). Das Attentat war Vorwand – wenn nicht Sarajevo, dann etwas anderes.“(437)
Thorsten Schulte:
„Deutschland war Opfer einer Falle. Eingekreist, provoziert, dann als Aggressor dargestellt (wegen Belgien). Das war kalkuliert.“(438)
Tillman Knechtel:
„Der Krieg diente Bankern. Sie finanzierten beide Seiten, wussten was kommt, profitierten sowieso.“(439)
These:
  • England/Frankreich hatten Interesse, Deutschland zu schwächen
  • Banker (Rothschild, Morgan) hatten Interesse, Kriege zu finanzieren (Profit)
  • Krieg wurde provoziert (nicht nur „Zufall“)
Bewertung:
  • 100% Fakt: Deutschland marschierte in Belgien (Völkerrechtsbruch)
  • 90% Fakt: Alle mobilmachten (Bündnisautomatismen)
  • 70% wahrscheinlich: England/Frankreich wollten Deutschland schwächen
  • 50% möglich: Krieg wurde bewusst provoziert (keine Primärquelle sagt das explizit)
Cui bono: England, Frankreich, USA, Banker (siehe unten).

III. DIE FINANZIERUNG DES KRIEGES – Wer zahlte? Wer profitierte?

A) Kosten des Krieges

Gesamtkosten Erster Weltkrieg (1914–1918):
LandKriegskosten (Mrd. $, 1914)Kriegskosten (Mrd. $, heute ~2025)
Deutschland37,7~950 Mrd.
Frankreich24,3~615 Mrd.
England35,3~890 Mrd.
Russland22,6~570 Mrd.
USA22,6~570 Mrd.
GESAMT (alle)338 Mrd.~8,5 Billionen
(440) Woher kam das Geld? Drei Quellen:
  1. Steuern (erhöht, aber nicht ausreichend)
  2. Kriegsanleihen (Bürger kaufen Anleihen, Staat verspricht Rückzahlung + Zinsen)
  3. Kredite von Banken (national + international)

B) Deutschland: Kriegsanleihen und Reichsbank

Deutsche Kriegsanleihen (1914–1918): 9 Anleihen ausgegeben:
AnleiheDatumZeichnungssumme (Mrd. Mark)
1.Sep 19144,5
2.Mrz 19159,1
3.Sep 191512,1
4.Mrz 191610,7
5.Sep 191610,7
6.Mrz 191713,2
7.Sep 191712,6
8.Mrz 191815,0
9.Sep 191810,4
GESAMT98,3 Mrd. Mark
(441) Käufer: Deutsche Bürger (Patriotismus: „Gold gab ich für Eisen“). Problem: Deutschland verlor → Anleihen wurden wertlos → Deutsche Bürger finanzierten ihre eigene Niederlage. Reichsbank:
  • Druckte Geld (Golddeckung aufgegeben 1914)(442)
  • Inflation begann bereits im Krieg:
    • 1914: 1 Dollar = 4,2 Mark
    • 1918: 1 Dollar = 7,5 Mark
    • 1923: 1 Dollar = 4,2 Billionen Mark (Hyperinflation)(443)
Kredite:
  • Deutsche Banken (Deutsche Bank, Dresdner Bank, Disconto-Gesellschaft) gaben Kredite an Staat(444)
  • Internationale Kredite: Begrenzt (England/Frankreich blockierten deutsche Zugang zu US-Krediten)(445)

C) England/Frankreich: J.P. Morgan finanziert den Sieg

J.P. Morgan & Co. (New York/London):
  • Größte Privatbank der Welt (Vermögen: ~500 Millionen $ = heute ~12 Mrd. $)(446)
1915–1917: Morgan arrangierte Kredite an England/Frankreich:
JahrKreditsumme (Mrd. $)Zweck
19150,5Waffenkäufe USA
19161,5Versorgung, Munition
19171,0Kriegsführung
GESAMT3,0 Mrd.
(447) Morgan verdiente:
  • Provision: 1% = 30 Millionen $ (heute ~750 Mio. $)
  • Zinsen: 5% p.a. = 150 Millionen $ (über Laufzeit)
ABER: Morgan tat noch mehr: Verkaufte Kriegsanleihen in USA (US-Bürger kauften englische/französische Anleihen):
  • Liberty Bonds (nach US-Kriegseintritt 1917): 21,5 Milliarden $ verkauft(448)
Folge: USA war wirtschaftlich mit Entente verbunden – noch bevor USA militärisch eintrat. Interessenkonflikt:
  • Wenn England/Frankreich verlieren → USA verliert 3 Mrd. $ (Kredite nicht zurückgezahlt)
  • Also: USA hatte finanzielles Interesse am Entente-Sieg
Thorsten Schulte („Silberjunge“):
„Der US-Kriegseintritt 1917 war kein Idealismus (‚Demokratie retten‘). Es war Geld. Morgan hatte Milliarden investiert – die USA mussten eintreten, sonst Bankrott.“(449)

D) Die Rothschilds: Finanzierung beider Seiten

Die Rothschild-Familie (5 Bankhäuser: London, Paris, Wien, Neapel, Frankfurt) war auf beiden Seiten aktiv: Entente-Seite:
  • Lionel Walter Rothschild (London): Finanzierte britische Kriegsanleihen(450)
  • Edouard de Rothschild (Paris): Finanzierte französische Kriegsanleihen(451)
Mittelmächte-Seite:
  • Louis Nathaniel de Rothschild (Wien): Finanzierte österreichische Kriegsanleihen(452)
Tillman Knechtel („Die Rothschilds“):
„Die Rothschilds finanzierten beide Seiten – wie schon bei Napoleon. Egal wer gewinnt, sie bekommen Zinsen. Krieg ist für sie Geschäftsmodell.“(453)
Knechtel zeigt:
  • Rothschild-Banken waren 1914 nicht mehr so dominant wie 1815 (J.P. Morgan, Warburg aufgestiegen)
  • ABER: Immer noch massiv beteiligt (Kriegsanleihen, Staatsfinanzierung)
Bewertung:
  • 90% Fakt: Rothschilds auf beiden Seiten (Ferguson dokumentiert)(454)
  • 50% spekulativ: Ob „koordiniert“ (Familienabsprache) oder unabhängig
  • Resultat: Dasselbe – Krieg profitabel für Banker

E) Das Muster: Kriege als Geschäftsmodell

Was wir sehen (1666, 1806, 1914, später 1939, 1991, 2003, 2022): Schritt 1: Krieg bricht aus (oft durch „Zufall“, kleine Ereignisse) Schritt 2: Beide Seiten brauchen Geld (Waffen, Soldaten, Versorgung kosten) Schritt 3: Banker finanzieren beide Seiten (Kredite, Anleihen) Schritt 4: Krieg dauert lange (je länger, desto mehr Zinsen) Schritt 5: Sieger zahlt Zinsen (aus Beute/Reparationen) Schritt 6: Verlierer zahlt auch (Reparationen an Sieger, der wiederum Banker zahlt) Schritt 7: Banker profitieren immer (Zinsen von beiden Seiten) Das ist kein Zufall. Das ist System. Wolfgang Effenberger:
„Kriege sind Investitionen für Banker. Sie verleihen an beide Seiten, kassieren Zinsen, und am Ende verschuldet sich die Welt bei ihnen. Der Erste Weltkrieg machte die USA zur Gläubiger-Nation – Europa war bankrott.“(455)

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