DIE „GOLDENEN ZWANZIGER“ (1924-1929) – Scheinblüte auf Pump

V. DIE „GOLDENEN ZWANZIGER“ (1924-1929) – Scheinblüte auf Pump

A) Wirtschaftswachstum – gebaut auf US-Krediten

1924-1929: Deutschland erlebte Wirtschaftswachstum:
JahrBIP-WachstumArbeitslosigkeitIndustrieproduktion (Index 1913=100)
1924+8,5%13,5%77
1925+6,2%6,7%81
1926+4,1%10,0%78
1927+6,3%8,8%98
1928+4,2%8,4%100
1929+3,8%13,1%100
(776) Das sah gut aus – ABER:

B) Die Abhängigkeit: 25 Milliarden Mark US-Kredite (1924-1929)

Deutschland nahm massiv Kredite auf: 1924-1929: 25,5 Milliarden Mark Auslandskredite (davon 80% aus USA).(777) Wofür?
  • 40%: Reparationen zahlen
  • 30%: Infrastruktur (Straßen, Schulen, Krankenhäuser)
  • 20%: Industrie (Fabriken modernisieren)
  • 10%: Konsum (Kommunen bauten Schwimmbäder, Theater – auf Kredit!)(778)
Das Problem: Kredite müssen zurückgezahlt werden (mit Zinsen). Deutschland zahlte Reparationen + Zinsen + alte Schulden = Schuldenspirale. Hjalmar Schacht (Reichsbankpräsident):
„Wir leben auf Pump. Wenn US-Kredite stoppen – kollabiert alles. Das ist kein Wachstum – das ist Todesspirale.“(779)

C) Berlin – „Babylon am Spree“

1920er Berlin: Kulturelles Zentrum Europas:
  • Kabarett (Marlene Dietrich, Josephine Baker)
  • Film (Fritz Lang: Metropolis 1927, M 1931)
  • Architektur (Bauhaus: Walter Gropius, Mies van der Rohe)
  • Literatur (Bertolt Brecht, Thomas Mann)
  • Nachtleben (100 Kabaretts, 900 Tanzcafés, Prostitution offen)(780)
ABER: Das war OberflächeDarunter:
  • 1,3 Millionen Arbeitslose (1929)(781)
  • Armut (25% Berliner lebten unter Existenzminimum)(782)
  • Prostitution (oft aus Not)
Christopher Isherwood (britischer Autor, lebte 1929-1933 Berlin):
„Berlin war Dekadenz + Verzweiflung. Reiche feierten. Arme verhungerten. Tanz auf dem Vulkan.“(783)

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